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Donnerstag, 10. Februar 2011

Die Tribute von Panem - Flammender Zorn

„Präsident Snow sendet uns eine Botschaft? Hier habe ich eine für ihn. Sie können uns quälen und bombadieren und unsere Distrikte niederbrennen, aber sehen Sie das hier? Das Feuer breitet sich aus! Und wenn wir brennen, brennen Sie mit!“

Nach den großen 75. Jubiläumsspielen ist Katniss zu den Rebellen in Distrikt 13 gestoßen, das alle für vernichtet hielten. Die Befehlshaber im Distrikt verlangen von ihr, den Spotttölpel, das Symbol der Rebellion, zu spielen, doch sie muss so vieles verarbeiten. Distrikt 12, ihre Heimat wurde niedergebrannt, und Peeta wird vom Kapitol festgehalten – und gequält.

Doch dann, völlig unerwartet, ist Katniss dazu bereit, den Spotttölpel zu spielen, allerdings unter der Bedingung, dass sie, und nur sie, Präsident Snow töten darf. Präsident Coin, die Befehlshaberin der Rebellen, stimmt Katniss zu und von da an ist Katniss das Mädchen, das in Flammen stand, das Mädchen, dass zweimal die Arena überlebte und das Mädchen, das zum Symbol der Rebellion wurde!

Sie macht alles, was Coin von ihr verlangt, bis ihr auffällt, dass sie Teil eines perfiden Spiels ist, bei dem es um Leben und Tod geht, bei dem sie ihre Familie und Freunde nur schwer vor dem Tod retten kann und es scheint so, dass es nach dem Ende der Rebellion keine Zukunft mehr geben wird – weder für Katniss noch für Panem!

Suzanne Collins hat mich bereits mit „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ und „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ so sehr begeistert, dass ech dachte, es könnte keine Steigerung mehr geben, doch „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“ hat mich von dem Gegenteil überzeugt!

In Katniss habe ich mich während des ersten Bandes der Reihe verliebt und so sehr mit ihr gehofft, dass es alles enden wird und dass alles besser wird, dass ich am Ende des Buches sogar die eine oder andere Träne vergießen musste, so sehr hat mich das Ende mitgerissen.

Während des gesamten Buches war ich immer wieder geschockt und erfreut, denn Katniss hat sowohl Siege errungen, als auch Niederlagen eingeräumt und jeder einzelne Sieg oder jede einzelne Neiderlage hat mich mitgerissen. Werde die typische Spannung in diesem Buch sucht, wird sie wahrscheinlich nicht finden, denn dieses Buch hat eine eigene, ganz typische Collins-Spannung.

Natürlich ist es spannend zu erfahren, wie Katniss Kämpfe ausgehen, aber dennoch ist die Spannung ganz anders, als ich sie aus anderen Büchern kenne – und irgendwie auch unbeschreiblich. Genrell fällt es mir schwer, diese Rezension zu schreiben, denn irgendwie ist alles an diesem Buch unbeschreiblich.

Katniss und Peeta sind zwei ganz besondere Charaktere, die sowohl von Niederlagen als auch von Siegen gezeichnet sind, und zeichnen sich durch eine gegenseitige Liebe aus, die die Leser berührt – und verzaubert!

Collins hat sich selbst übertroffen, ein fulminantes Ende geschrieben und mich mit ihrer Geschichte um eine große Liebe, Tod und Siege verzaubert, wie kaum ein zweites Buch. Ich werde Katniss so sehr vermissen, denn sie ist für mich die größte Rebellin überhaupt – sie ist für mich mein Spotttölpel!

Mittwoch, 2. Februar 2011

Projekt Sakkara

Die Macht des Wissens

Peter Lavell und Patrick Nevreux haben es sich zur Aufgabe gemacht, versteckte Archive des Wissens zu finden, Orte, an denen das Wissen über versunkene Kulturen, Religionen und den Ursprung des Wissens und Glaubens gespeichert ist.

Lavell und Nevreux werden von einem in Ägypten lebenden Engländer angeheuert, eines dieser Archive zu finden – in der ägyptischen Totenstadt. Dabei kommen sie einer Kultur auf die Spur, die den Ägyptern ihre Kultur gaben. Die beiden Wissenschaftler tauchen in die mystische Geschichte der ägyptischen Kulte ein und müssen schon bald merken, dass sie nicht alleine auf der Suche nach dem Archiv des Wissens sind!

Die ägyptische Regierung und ein geheimnisvoller Orden verfolgen jeden Schritt der beiden Wissenschaftler und sie sind fest entschlossen, die beiden umzubringen. Und dann kommt es zum Showdown unter der Totenstadt, bei dem es viele Tote gibt...

Nachdem ich völlig begeistert die erste Geschichte um Peter Lavell und Patrick Nevreux verfolgt und verschlungen habe, lud ich mir diese Geschichte ebenfalls auf meinen E-Book-Reader und verlor keine Zeit!

Wie schon im ersten Teil der Trilogie schreibt Wilhelm eine spannungsgeladene Geschichte, die mich mitgerissen hat und bei der ich mich am Ende fragte, warum es nicht mehr solcher Autoren auf dem Markt gibt?

Nicht nur, dass die Handlung verdammt gut und interessant aufgebaut ist, nein, auch der historische Rahmen ist wundervoll wiedergegeben und durch die zahlreichen Beschreibungen der Bauwerke fühlt sich der Leser an den Handlungsort versetzt – große Kunst!

Außerdem bekommt der Leser einen wenn auch sehr kleinen Einblick in die Geschichte der ägyptischen Kultur, sodass der Leser nicht nur unterhalten wird, sondern auch gebildet – absolut Top!

Darüber hinaus ist das Ende dieses Teils der Trilogie viel besser als der erste Teil: nicht abgehackt und noch einmal richtig spannungsgeladen! Vielleicht ist es etwas hochgegriffen, aber Andreas Wilhelm wird vielleicht zum deutschen Dan Brown – weiter so!

Freitag, 28. Januar 2011

Die Auswahl - Cassia & Ky

„Ich schenke dir etwas, das du im Moment sicher noch nicht verstehst. Aber ich glaube, dass du es eines Tages verstehen wirst. Du mehr als jeder andere. Und denke daran: Es ist vollkommen in Ordnung, Fragen zu stellen.“

Cassia lebt irgendwo und irgendwann in einem System. Ihr wird immer und überall gesagt, was sie machen soll, denn das System ist perfekt, es macht keine Fehler, denn es wurde von Funktionären, den perfekten Menschen, gegründet und entwickelt!

In diesem System dürfen sich Männer keine Frauen suchen, sondern das System bestimmt aufgrund einiger hunderter Parameter den perfekten Partner für jeden. Für Cassia wird ein Traum auf ihrem Paarungsbankett wahr, aber ein Albtraum beginnt: ihr perfekter Partner ist laut dem System ihr bester Freund Xander – ein Traum wird für Cassia wahr; doch als sie zu Hause den USB-Stick, mit dem Dossier über Xander lesen will, passiert ein Fehler, anstatt dem Bild von Xander, wird ihr ein anderes Bild gezeigt, nämlich das von ihrem Nachbar und Mitschüler Ky.

Aber was ist passiert? Dem System passieren doch kein Fehler. Und am nächsten Tag nimmt direkt eine Funktionärin Kontakt zu ihr auf und erklärt Cassia, das jemand ihren USB-Stick mutwillig manipuliert hat.

Cassia glaubt der Funktionärin natürlich, denn sie ist perfekt, wie das System! Doch dann freundet sie sich mit Ky an, jenem Jungen, der auf dem Bildschirm erschien, als Cassia den Stick einschaltete. Und sie beginnt, für ihr Gefühle zu entwickeln.

Was ist, wenn Ky der eigentliche, perfekte Partner für Cassia ist? Hat sie eine Wahl – kann sie sich zwischen Ky und Xander entscheiden? Diese und immer weitere Fragen stellen sich ihr und dann wird ihr klar, das sie gefangen ist – gefangen im System. Und sie will ausbrechen, sie will frei leben und entscheiden können – sie will eine (Aus-)Wahl haben!

Wäre mir das Buch in einer Buchhandlung in die Hände gefallen, hätte ich es wahrscheinlich nicht gekauft, da es mich doch zu wenig ansprach. Doch habe ich das Buch glücklicherweise vom Verlag bekommen und konnte dem Buch somit nicht entkommen. Und als ich dann begann, das Buch zu lesen, wusste ich, dass es ein ganz besonderes Buch ist!

Das Buch erinnerte mich beim Lesen an die Reihe „Die Tribute von Panem“, denn in beiden Büchern geht es um ein junges Mädchen, dass sich gegen das System wehrt, in dem sie lebt. Und trotz dieser Ähnlichkeit, unterscheidet sich „Die Auswahl – Cassia & Ky“ grundlegend von „Die Tribute von Panem“.

Inhaltlich hat mich das Buch sehr angesprochen und berührt, denn wer wünscht sich manchmal nicht eine Veränderung in unserem System, das zwar nicht perfekt ist, aber das oft als perfekt dargestellt wird. Die Geschichte berührte mich mit seinen Charakteren und brannte sich ein – ich freue mich auf die Fortsetzungen!

Cassia entwickelt im Laufe der Geschichte eine Zuneigung zu Gedichten und zu Wörtern. Diese gleiche Zuneigung entwickelte sich auch bei mir, allerdings nicht zu Gedichten, sondern zu den Wörtern der Autorin. Condie schreibt betäubend und geistreich, aber trotzdem leicht und der Geschichte angepasst.

Ally Condie hat mich berührt und mitgerissen! Sprachlich wie inhaltlich hebt sich das Buch deutlich von anderen Jugendbüchern ab und macht das Buch so zu etwas ganz besonderem. Ich freue mich und warte schon ungeduldig auf die Fortsetzungen!

Mittwoch, 19. Januar 2011

Sokrates, Jesus, Buddha - Die Lebenslehrer

„Der Mensch ist so veranlagt, dass er immer haben möchte, was er nicht hat, und wenn er seinen Nachbarn mit Gewalt abjagen muss. Doch ist einmal die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse gesichert – Nahrung, ein Dach über dem Kopf und ein Mittel zu würdigen Leben -, muss der Mensch eine andere Logik als die des Habens umschwenken, um zufrieden und ganz und gar menschlich zu werden: die Logik des Seins.“

Frédéric Lenoir zählt zu den renommiertesten Soziologen, Philosophen und Religionshistorikern Frankreichs. In „Sokrates, Jesus, Buddha – Die Lebenslehrer“ macht er es sich zur Aufgabe den Lesern die Lehren dreier Lebenslehrer näher zu bringen, nämlich die des griechischen Philosophen Sokrates, des Juden Jesus und des indischen Aristokratensohn Siddharta, der unter dem Namen Buddha bekannt wurde.

Sokrates – philosophischer Geburtshelfer
Sokrates, der als Sohn einer Hebamme und eines Bildhauers um 470 vor Christus geboren wurde, war kein Schüler im gebräuchlichen Sinne, sondern lernte viel eher von allem, was ihm vor die Nase kam: von den Naturphilosophen, die danach bestrebt waren rationale Antworten auf metaphysische Fragen zu finden, von den Sophisten, den Meistern der Redekunst, und wahrscheinlich auch von den Anhängern verschiedener Mysterienkulte. Er sah sich selbst als „Betreiber“ der Hebammenkunst: er brachte damit die Vernunft ans Licht der Welt.

Jesus – jüdischer Wanderchrist
Jesus wurde in eine fromme und sehr religiöse Familie geboren, die auch den Sabbat befolgte, Jesus beschneiden ließen und in den Jerusalemer Tempel geht. Sein Vater ist Zimmermann und seine Mutter kümmert sich um seine Erziehung; Jesus geht in die Synagogenschule und spricht neben Hebräisch auch Aramäisch und wahrscheinlich etwas Griechisch und Lateinisch – er gehörte zur gebildeten Elite.

Buddha – erwachter Prinz
Buddha wird als Siddharta geboren und die Zeichendeuter finden auf seinem Körper die zweiunddreißig Kennzeichen des großen Mannes, die nach der indischen Tradition eine außergewöhnliche Bestimmung voraussagen; wenn er einen Alten, einen Kranken, einen Toten und einen Mönch sieht, wird er ein Erwachter, ein Buddha.

Lenoir hat mich begeistert und mir gezeigt, was es heißt, sein Leben zu leben. Hinter diesem Buch verbirgt sich eine Nachricht an alle Leser, die man nur versteht, wenn man das Buch in aller Ruhe liest und mit jeder Faser seines Körpers aufnimmt – man muss sich den drei vorgestellten Persönlichkeiten hingeben!

Dem Leser wird mehr als das Leben dreier außergewöhnlicher Persönlichkeiten gezeigt. Der Leser erfährt was Glauben, Wissen und Hingabe bedeutet und lernt, wie man sich von diesen drei Fertigkeiten Gebrauch macht.

Lenoir schreibt ungewöhnlich klar und belegt seine Vermutungen mit Textstellen aus der Bibel und anderen Schriften, die über das Leben der drei vorgestellten Personen berichten. Auch seine Sprache zeichnet sich durch einen sehr charmanten Stil aus, der den Leser betört.

Er berichtet mit Hingabe, Wissen und Glaube von drei Personen, die für ihn die Welt und so viel mehr bedeuten. Und diese Hingabe hat mich fasziniert und dieses Buch ganz besonders gemacht!

Lenoir hat mir mit „Sokrates, Jesus, Buddha – Die Lebenslehrer“ einen Stück meines verlorenen Glaubens wiedergegeben. Er hat mir gezeigt, was Glaube, Liebe und auch Leben bedeutet. Und er hat mich von drei so wichtigen Personen für die Kultur- und Geistesgeschichte berichtet. Außergewöhnlich gut!

„Er muss lernen, sich zu kennen und sich zu beherrschen, seine Umwelt zu erfassen und zu respektieren. Er muss lernen zu lieben, mit den Mitmenschen zu leben, mit seinem Frust umzugehen, heiter zu werden, das unvermeidliche Leid des Lebens zu überwinden, aber auch, sich offenen Auges auf den Tod vorzubereiten. Denn zu existieren ist Fakt, zu leben ist Kunst. Eine Kunst, die erlernen kann, wer die Weisen befragt und an sich selbst arbeitet.“

Wie die Menschheit zur Sprache fand – Mütter, Kinder und der Ursprung des Sprechens

„Sprache ist ungemein komplex – sie umfasst eine enorme Bandbreite an Gesten und Lautmerkmalen – un es besteht kein Anlass, zu glauben, dass bei unseren Vorfahren eine dieser Modalitäten im Verlauf der Evolution der Sprache Priorität über die anderen gehabt hat.“

Dean Falk gehört zu den berühmtesten Anthropologinnen und Neurowissenschaftlerinnen der Welt. Sie schrieb bereits einige Bücher über die menschliche Evolution und die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten bei Menschenaffen. Mit „Wie die Menschheit zur Sprache fand – Mütter, Kinder und der Ursprung des Sprechens“ schreibt sie ein Sachbuch über die Evolution der Sprache beim Menschen, auch im Zusammenhang mit der Entwicklung von Musik.

Die Frage nach dem Sprachursprung gehört zu am meisten diskutierten Fragen in der Wissenschaft überhaupt. Bereits im Jahr 1769 schrieb die Königliche Akademie der Wissenschaften eine Preisfrage zum Ursprung der Sprache aus. In der Preisfrage wurde gefragt, „ [ob] die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen [haben], sich Sprache erfinden [zu] können? Und mit welchen Mitteln wären sie zu dieser Erfindung gelangt?“. 1771 wurde Herders Schrift mit dem Titel „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ preisgekrönt. In dieser Schrift begründete er seine Ansicht, dass der Mensch die Sprache fand um die mangelnden Instinkte zu ersetzen.

Auch wenn viele Herders Antwort auf die Frage für richtig hielten, wurde die Frage nach der Evolution der Sprache immer wieder gestellt und seit einigen Jahrzehnten ist sie Teil vieler Wissenschaften geworden. Neurowissenschaftler, Philosophen, Psychologen, Kognitionswissenschaftler, Anthropologen und Neuroinformatiker diskutieren rund um die Welt mit Leidenschaft über diese Frage.

Falk erarbeitet in diesem Buch eine völlig neue Theorie zum Sprachursprung. Nach ihrer Meinung, stand am Anfang der Sprache der beruhigende und tröstende Singsang der Mütter für ihre Kinder. Im Vergleich zu den Menschenaffen können sich die Säuglinge der Menschen aufgrund anatomischer Gegebenheiten nicht an ihrer Mutter festklammern und müssen somit beim „Arbeiten“ (z.B. Felle von Tiere abziehen, Feuer machen) abgelegt werden und damit die Säuglinge nicht schreien, fingen die Mütter an zu sprechen – und zu singen!

Laut Falk entwickelte sich dieser tröstender Singsang aus Gesten und aus der Ammensprache; beide Komponenten sind auch heute noch Teil der Sprache und für Säuglinge unverzichtlich, denn Gesten setzen Menschen in Beziehung, verbinden also Mutter und Kind und die Ammensprache legt im Gehirn den entscheidenen Grundstein für das Erlernen der Sprache.

Ihre Theorie vom Sprachursprung unterstützt Falk mit empirischen Daten und Untersuchungen, die von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhoben und gemacht wurden. Mit den Argumenten für diese Theorie und den Argumenten gegen die anderen Sprachursprungstheorien sehr schlüssig und sollte meiner Meinung nach ernst genommen werden – vielleicht ist es die richtige Antwort auf die Frage!

Das Buch ist sowohl kulturanthropologisch, als auch paläoanthropologisch, linguistisch und neurowissenschaftlich orientiert. So ist dieses Buch sehr interdisziplinär angelegt und mit vielen wissenschaftlichen Fakten und Argumenten gespickt. Trotzdem ist dieses Buch keinesfalls langweilig, sondern hochinteressant und erfreut die Leser.

Des Weiteren schildert Falk die ganzen dargestellten wissenschaftlichen Fakten sehr anschaulich und bildlich, nicht öde. Thesen, die sie selbst für schwer verständlich hält, erklärt sie mehrfach, allerdings immer in unterschiedlichem Wortlaut und vor allem mit praktischem Anwendungsbereich.

Insgesamt wirkt das Buch auch nicht überladen, was ich erst befürchtete. Denn geht es in diesem Buch ja nicht nur um Sprache, sondern auch Musik und um die bildenen Künste, darüber hinaus geht es auch um die biologische Evolution im Allgemeinen, aber auch um die Evolution kognitiver Fähigkeiten im Spezielle.

Falk entpuppt sich nicht nur als besondere Wissenschaftlerin mit außergewöhnlichen Ideen, sondern auch als fähige Wissenschaftsautorin mit der Fähigkeit, ihre Leser bis in die letzte Nervenzelle des Gehirns zu begeistert. Großartig – so müssen wissenschaftliche Publikationen sein!

Mittwoch, 12. Januar 2011

Ein bitterkalter Nachmittag - Bericht 1

„Ich glaube man kann auf zwei verschiedene Arten allein sind. Man kann der Fisch im Aquarium sein, der gefüttert wird, oder die Hand, die das Futter ins Wasser streut.“

Eine Rezension kann ich noch nicht schreiben, denn ich habe erst 101 Seiten gelesen – und muss jetzt eine Pause machen!

Das Buch ist wirklich verdammt gut und die 101Seiten haben mich mehr als einmal sprachlos zurückgelassen, doch irgendwie kann ich nicht weiterlesen. Genau hier und jetzt muss ich das Buch zur Seite legen.

Es geht um einen Bäcker und einen Lehrer, die auf irgendeinem Feld, irgendwo in Europa, sind und philosophische Streitgespräche führen. Dabei muss der Bäcker ein Loch graben, wobei der Leser nicht genau erfährt für was, aber zwei Lastwagen voller Menschen lassen den Leser eine schreckliche Tat vermuten.

Die Gespräche, die die beiden führen, sind sehr anregend und irgendwie besonders; besonders ein Gespräch über das Böse in der Welt hat mich, warum auch immer, zutiefst berührt und zum Nachdenken angeregt.

Auch sprachlich hebt sich dieses Buch unheimlich ab. Die Sprache wirkt stellenweise irgendwie kühl und distanziert, was völlig zu der Situation und dem Handlungsort passt, aber zwei Zeilen später, besonders dann, wenn es zu einem Gespräch kommt, wirkt die Sprache viel wärmer und offener – ein sprachliches und stilistisches Meisterstück!

Und gerade deswegen frage ich mich, warum ich nicht weiterlesen kann. Es liegt auf jeden Fall an mir und nicht an dem Buch. Erst einmal bleibt es jetzt im Regal stehen und ich werde häppchenweise weiterlesen – immer dann wenn ich Zeit und Lust habe!

Lesen werde ich es definitiv zu Ende – und ich kann nur raten, sich das Buch zu kaufen und zu lesen!

(Sobald ich weitergelesen habe, gibt es einen weiteren Bericht!)

Samstag, 8. Januar 2011

Korona

Wie die Sonnenaktivität über die Erde herrscht

Amy Walker ist Gorillaforscherin und arbeitet mit einem Team internationaler Wissenschaftler in der Nähe des Ruwenzori-Gebirges in Ostafrika. Nachdem ein Teammitglied auf mysteriöse Weise verschwunden ist, kann die Biologin nicht mehr schlafen. Und zu aller Übel soll das Team jetzt noch durch ein Ex-Sträfling verstärkt werden.

Zusammen mit dem Ex-Sträfling und drei anderen Teammitgliedern macht sich Amy trotz gefährlicher Sonnenaktivität und seltsamen Wetterphänomenen auf den Weg, um den vermissten Forscher zu suchen und wirft sich dabei in ein Abenteuer, das Amy an die Grenzen ihres Verstandes bringt.

Das nenne ich Thrillerkunst – Mystery, Spannung und großartige Charaktere gemischt mit einer unglaublichen Kulisse! Thomas Thiemeyer hat mit seinen Büchern schon mehrfach bewiesen, dass er zu den großen deutschen Schreibtalenten gehört, aber mit diesem Thriller hat er sich übertroffen.

Thiemeyer hat irgendwie ein Faible für außergewöhnliche und unglaubliche Kulissen! Diesen Thriller lässt im im tiefsten afrikanischen Dschungel spielen, in einer seltsamen Paralleldimension und in der Nähe uralter Ruinen. Dabei fällt, wie schon bei den anderen Thiemeyer Büchern auf, dass die Umgebung(en) sehr detailreich beschrieben sind und sich dem Leser so ein Bild im Kopf abbildet.

Darüber hinaus hebt sich die Mischung aus Mystery und Wissenschaft deutlich von anderen Wissenschafts- und Mysterythrillern ab. Dabei nimmt sich Thiemeyer mit den wissenschaftlichen Erklärungen keinesfalls zurück, aber dennoch können auch Laien die wissenschaftlichen Hintergründe verstehen und sogar weiterdenken.

Des Weiteren zeigt Thiemeyer den Lesern die Grenzen der Wahrnehmung und ihres Denkens und zwingt sie so zum Weiterdenken. Thiemeyer beschreibt in „Korona“ zwei verschiedene Dimensionen unseres Universums – oder sind es doch zwei Universen? So denkt der Leser über die Frage Was wäre wenn... nach und ja sogar über die Gorilla, die in diesem Buch eine wesentliche Rolle spielen.

Thomas Thiemeyer gehört definitiv zu den besten Mysteryautoren Deutschlands, der Tausende Leser begeistert und mitreißt. Ich hoffe ich muss nicht zu lange auf neue Bücher des Autors warten – Thiemeyer schreibt außergewöhnlich!

Donnerstag, 6. Januar 2011

Die Enden der Welt

„Jedenfalls sind sie nie nur da, wo sie sind, und die Ferne liegt ihnen schon auf den Schultern, noch ehe sie aufgebrochen sind, rastlose Menschen werden sie von denen genannt, die es nicht sind. Dabei leben sie eher sesshaft im Aufbruch.“

Das Buch gehört zu den Büchern, an denen ich im letzten Jahr nicht vorbei kam, sobald es in den Regalen der Buchhandlungen stand. Und als ich mir das Buch dann zugelegt hatte, wurde mir bewusst, dass es einen Grund dafür gab, dass ich nicht daran vorbei kam: dieses Buch ist ein ganz besonderes Stück Literatur!

Zweiundzwanzig Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber dennoch Gemeinsamkeiten haben, rühmen dieses Buch. Zweiundzwanzig Geschichten, die von ganz besonderen Orten und Personen auf der Welt erzählen. Zweiundzwanzig Geschichten, die von Reisenden und Heimatlosen erzählen. Zweiundzwanzig Geschichten, die für Roger Willemsen die Welt bedeuten – und die Enden der Welt sind!

Wie ich zu zweiundzwanzig Geschichten eine Inhaltsangabe schreiben soll, ist mir völlig unklar – und scheint mir auch unmöglich. Und genau deshalb werde ich hier nichts mehr zu dem Inhalt schreiben, denn das klappt sowieso nicht. Viel lieber erzähle ich etwas über die Enden der Welt.

Jeder hat seine eigenen Enden der Welt, die ganz persönlich sind und als Synonyme für Freundschaften, Erinnerungen und Emotionen stehen. Willemsen berichtet in „Die Enden der Welt“, wie der Titel schon vermuten lässt, ganz persönlich von seinen eigenen, zweiundzwanzig Enden der Welt!

Für Willemsen sind die Enden aber nicht nur Enden, sondern gleichzeitig Anfänge, Anfänge für neue Reisen, neue Hoffnungen, neue Erinnerungen – für neue Welten.

Roger Willemsen zeigt mir, was Literatur wirklich kann, was Literatur wirklich können muss. Willemsen verzauberte mich und sicherlich auch die anderen Lesern. Er zeigt uns unsere wunderschöne Welt in all ihren Facetten – bewegend. Ein ganz großes Stück Literatur!

„Das ist gut“, sagte Tom. „Ich möchte auch reisen.“
„Und das wäre dann wohin?“
„Ans Ende der Welt!“
„Das Ende der Welt ist eine Erfindung“, sagte ich. „Sie hat kein Ende.“
„Das will ich nicht.“

Mittwoch, 5. Januar 2011

Eine unbequeme Wahrheit + Wir haben die Wahl














Dass der Klimawandel wohl zum größten Problem des 21. Jahrhunderts wird, ist bekannt, aber wie schlimm steht es wirklich um das Klima?

Al Gore ist ja mittlerweile auf der ganzen Welt für seine Vorträge über den Klimawandel bekannt. Mit „Eine unbequeme Wahrheit“ führt Gore in den aktuellen Stand des Klimawandels ein.

Das Buch, das wie ein Bildband aufgemacht ist, aber trotzdem informierende und bewegende Text enthält, öffnet dem Leser die Augen: wenn wir jetzt nicht anfangen, etwas an unserer Lebensweise zu verändern, dann wird es bald zu spät sein, viel zu spät.

Doch spricht Al Gore nicht nur Warnungen aus, sondern spricht in „Wir haben die Wahl“ auch von möglichen Lösungen – und davon gibt es genug. Regenerative Energien sind eine Möglichkeit, um den Klimawandel hier und jetzt zu verlangsamen.

Aber wieso ändern wir nicht einfach unsere Lebensweise, wenn wir dadurch alles aufhalten und unsere Zukunft sichern können? Sein wir mal ehrlich: Veränderungen tun weh! Stellen Sie sich vor, ab morgen führen wir nur noch mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Oder wir könnten nicht mehr dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen?

Nicht nur, dass Veränderungen weh tun, auch müssten so viele Staaten mitziehen, wie möglich, denn wenn nur ein oder zwei Staaten ihre Lebensweise verändern würde, wäre das vielleicht nett und ein Anfang, aber bringt es nicht viel, wenn alle anderen Staaten weiter leben.

Für viele Staatsmänner ist der Klimawandel außerdem keine große Bedrohung. So hat sich, nach deren Meinung, das Klima doch in den letzten Millionen Jahren verändert, ohne das großartig etwas passiert ist. Doch wie kann man diesen Personen die durchaus reale Gefahr klar machen?

Al Gore gibt keine Antwort darauf und auch durch zwei Bücher gibt es keine große Ansicht, aber so pflastern diese beiden Bücher zumindest den Weg zu der Erkenntnisse, dass es fünf vor zwölf ist!

Beängstigende Bilder reißen den Leser aus seiner Vorstellung der guten, lieben, heilen Welt heraus und öffnen ihm die Augen: wir müssen handeln, und zwar jetzt!

Das Tal - Der Sturm

„Es ist dort oben im Tal gefangen, Chris, wie ein wildes Tier hinter Gittern.“

Das College wird geschlossen, nämlich für ein Wochenende! Am Wochenende des 11. Novembers, dem Rembrance Day, können die Studenten den Campus verlassen und zu ihrer Familie reisen.

Julia und Chris, die Turteltauben des College, wollen das Wochenende zusammen verbringen, in einem Hotelzimmer, nur sie beide und sonst keiner! Nicht einmal Julias Bruder Robert darf mit, was Julia anfangs weniger gefällt, sich aber mit abfindet.

Zusammen mit dem Rest ihrer Freunde bepacken sie das Auto und fahren los, als ein Sturm losbricht und die Wege und Straßen komplett zu schneit und vereist. Und als wäre das noch nicht genug, hat Chris plötzlich das Auto nicht mehr unter Kontrolle und fährt es gegen einen Baum. Debbie wird schwer verletzt und die Freunde bringen sie zurück ins College, denn der Weg ins Dorf ist unpassierbar.

Im College angekommen passieren seltsame Dinge und Chris und Benjamin finden sogar einen Wachmann tot vor. Der Sturm wütet immer weiter und die Freunde können das College nicht verlassen – sie sind eingesperrt! Doch kommen sie dabei der Lösung des Rätsels um die acht vermissten Studenten, die vor Urzeiten auf den Ghost gestiegen sind, auf der Spur. Und die Lösung ist nach Julias Geschmack zu sehr mit ihrer eigenen Vergangenheit, die sie vor allen geheim hält, verworren...

War ich von „Das Tal – Die Katastrophe“ sehr enttäuscht und fand „Das Tal - Das Spiel“ hinnehmbar , muss ich sagen, dass ich von diesem Buch umso begeisterter war – absolut Top! Kuhn beweist mit diesem Buch wahre Thrillerkunst – Mystery und Spannung pur.

In dem Buch steht mehr oder weniger die ganze Gruppe im Mittelpunkt, wobei am Ende natürlich immer weiter Julia in den Mittelpunkt rutscht, da die Lösung des Rätsels um die acht vermissten Studenten mit ihrer Vergangenheit zu tun hat.

Der Vorhang fällt jedoch nicht komplett – auf den ersten Blick sind die Geheimnisse um das Verschwinden vielleicht gelöst, doch schaut man genauer hin, muss man feststellen, dass immer mehr Fragen auftauchen. Die Spannung bleibt also auf höchstem Niveau, sodass ich gespannt auf den nächsten Teil bin!

Außerdem muss ich sagen, dass ich diesen Perspektivenwechsel, den ich im letzten Buch so verflucht habe, hier sehr gelungen finde und dass dadurch die Spannung mehr anstieg, sodass es mir nicht möglich war, das Buch aus der Hand zu legen.

Ein großes Lob an Frau Kuhn, die mich mit „Das Tal – Der Sturm“ so sehr begeistert hat und die wie geschaffen ist, um Mysteryjugendthriller zu schreiben. Bitte mehr davon!

Montag, 3. Januar 2011

Bildbände oder: Die Wunder der Erde & der Wissenschaft

Bildbände kennt jeder Mensch, und jeder hat sich auch schon einmal mindestens ein Bildband angesehen. Die beiden Bildbände, die ich im Folgenden vorstellen werde, haben mich unglaublich begeistert. Dass unsere Erde schön ist, war mir klar, aber wie schön sie wirklich ist, zeigt „Nature – Art and Structure“ von Mara K. Fuhrmann . Unglaublich faszinierende Bilder machen den Bildband zu einem ganz besonderem Bildband – dieses Bildband hat eine Auszeichnung verdient.
Der zweite Bildband ist weniger ein Bildband, aber ich weiß nicht, in welches Genre ich es einordnen soll, und da das Buch auch aus hunderten von Bildern (und Texten) besteht, nenne ich es auch einfach mal Bildband. „Scientifica – Meilensteine aus der Welt der Wissenschaft“ erzählt, wie der Titel schon sagt, die Geschichte verschiedener Wissenschaftsdisziplinen: Mathematik, Physik, Astronomie, Biologie, Chemie, Geologe und Medizin.




Nature – Art and Structure

Die Welt mit dem Blick einer Kamera

Wie schön, und wahrscheinlich einzigartig, unsere Erde, der blaue Planet, ist, zeigt und dieser wunderbare Bildband. Jedes einzelne Bild zeigt dem Leser, nein dem Betrachter, einen Teil unseres Planeten, angefangen bei den Landschaften und endend bei den Pflanzen und Tieren. Aber man muss zwischen den Bildern schauen, und zwischen den Zeilen lesen, um die Botschaft der Fotografin und Autorin des Buches zu erkennen: stoppt die Zerstörung des Planetens, schaut euch um und erkennt die Schönheit der Erde!

Unheimlich tolle Bilder hat die Fotografin Mara K. Fuhrmann gemacht, die berühren und begeistern. Anfangs war ich skeptisch bezüglich dieses Buches, aber nachdem ich das erste Foto gesehen habe, wusste ich, dass es ein großartiges Buch ist. Absolut empfehlenswert!


Scientifica – Meilensteine der Wissenschaft

Wissenschaft – eine Kosmos für sich

„Ein fragender, kritischer Geist ist der Ursprung allen Denkens und Wissens. […] Wissenschaft lässt sich unterschiedlich definieren: als die intellektuelle und praktische Tätigkeit, die versucht, die Phänomene des Universums mit objektiven Methoden zu erfassen, oder als der Stand oder gar die Kunst des Wissens, oder vielleicht als die theoretische Vorstellung von Wahrheit, die dem moralischen Bewusstsein gegenübersteht. Wissenschaft ist aber auch einfach durch Lernen gewonnenes Wissen, das schließlich im jeweiligen Bereich zu Bildung führt.“

Unglaublich fesselnd erzählen so ungefähr hundert Autoren die Geschichte der Wissenschaft – und somit auch die Geschichte der Gesellschaft. Die Autoren zeigen uns wie unglaublich wichtig die Wissenschaft ist, und dass sich unsere Gesellschaft zur Wissensgesellschaft entwickelt.

Tolle Bilder und tolle Texte erläutern uns, was Wissenschaft überhaupt ist und wie sie sich, mit all ihren Zweigen, entwickelt hat. Für Jedermann verständlich ist dieses Buch ein sprachlicher und intellektueller Genuss! Unglaublich gut.



Diese beiden Bildbände gehören für mich zu den Bildbänden, die sich jeder schon einmal angeschaut haben sollte, denn sie bereichern unseren Geist und bringen zum Nachdenken. Die wunderbare Aufmachung und tolle Sprache machen die beiden Bücher zu etwas ganz Besonderem.

Brauchen wir Gott?

„Die Prädisposition zu religiösem Glauben ist die komplexeste und mächtigste Kraft des menschlichen Geistes und aller Wahrscheinlichkeit nach ein unauslöschlicher Bestandteil der menschlichen Natur.“

Dreizehn berühmte Wissenschaftler und zeitgenössische Religionskritiker beschreiben in „Brauchen wir Gott? - Moderne Texte zur Religionskritik“ ihre ganz persönlichen Einwände gegen den Gott, den die Kirche predigt.

Alle Autoren argumentieren meist auf naturwissenschaftlicher Basis, ziehen aber auch philosophische, psychologische und soziologische Argumente zu Rate und zeigen dem Leser, das es einen solchen Gott, wie die Kirche ihn predigt und vorstellt, gar nicht geben kann.

Aber kann es nicht einen anderen Gott geben? Eine klare Antwort auf die Frage nach irgendeinem Gott gibt das Buch nicht, aber sind sich doch alle Autoren sicher, dass der Mensch genetisch zum Glaube programmiert ist und dass der Glaube einen evolutionären Vorteil bietet.

So ist der Glaube also Teil des Menschen, doch ist der Glaube nicht an einen große, allgütigen und allmächtigen Gott gebunden, sondern vielmehr an Hoffnungen des Menschen.

Brauchen wir also überhaupt einen Gott? Religiöse Menschen werden darauf mit einem definitiven Ja antworten, wohingegen die Autoren dieses Buches eher den Kopf schütteln werden. Einige Soziologen werden das Nein damit begründen, dass Religion und der Glaube an Gott Menschen zusammenbricht und das ist für den Menschen wichtig, da er ein soziales Wesen ist!

Die Antwort der Soziologen ist für mich sehr befriedigend und ich denke, dass sie vollkommen zutrifft. Die genetische Programmierung auf den Glauben und die biologische Ausstattung des Gehirns mit dem Glauben liefert einen Grund zu glauben, aber an was bleibt jedem selbst überlassen.

Die dreizehn Essays sind großartig geschrieben und lässt den Leser über den eigenen Glauben nachdenken – Gott: gibt es ihn oder nicht? Die Antwort für mich ist klar: Nein, es gibt keinen Gott! Aber der Glaube an einen Gott ist für die Menschen und die Gesellschaft unverzichtbar. Also brauchen die Menschen einen Gott!

„Wenn Gott das Böse nicht beseitigen will, dann ist er nicht gut. Wenn er es nicht beseitigen kann, dann ist er nicht allmächtig. Mit anderen Worten: Die Allmacht und Allgüte Gottes sind mit Übeln dieser Welt logisch einfach nicht vereinbar.“

Samstag, 1. Januar 2011

Naturwissenschaft

„Naturwissenschaft ist kein Bestand an Daten oder Fakten. Sie ist eine Geisteshaltung. Eine bestimmte Art, die Welt zu sehen, sich der Welt direkt zu stellen, ohne sich den Blick zu verstellen.“

Natalie Angier, Pulitzerpreisträgerin und berühmte Wissenschaftsjournalistin, macht sich Sorgen! Für unsere Gesellschaft wird Wissen zum immer wichtigeren Gut, das sagen zumindest die Sozialwissenschaftler und Zukunftsforscher, aber warum interessieren sich dann immer weniger Menschen, vor allem die jungen Menschen, für Physik, Chemie und Co.?

Und deswegen sorgt sich Angier. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass junge Menschen die Zukunft sichern und die Naturwissenschaften immer wichtiger werden, sich aber dennoch nicht für Naturwissenschaft und Wissenschaft im allgemeinen.

Angier konnte das selbst an ihrer Familie beobachten: ihre Schwester kündigte, als ihr zweites Kind 13 war, die Mitgliedschaft für das Naturwissenschaftsmuseum und den Zoo, da sie fand, dass es Zeit für ihre Kinder wurde, sich der Kultur zuzuwenden. Angier konnte das nicht verstehen und wollte ihre Schwester vom Gegenteil überzeugen, doch diese sah nicht ein, warum die Kinder weiterhin ins Naturwissenschaftsmuseum und in den Zoo gehen sollen.

Deswegen hat es sich Angier zur Aufgabe gemacht, junge Leute von den Naturwissenschaften zu überzeugen, und dafür schrieb sie „Naturwissenschaft – Was man wissen muss, um die Welt zu verstehen“. Angier schreibt neun Essays zu jenen Forschungsgebieten, die die Gesellschaft von morgen bewegt/bewegen sollte, denn in ihnen liegt die Zukunft!

Als naturwissenschaftlich interessierter Leser musste ich dieses Buch natürlich lesen, habe es aber erst im zweiten Anlauf geschafft, durchzusteigen! Es ist in keinem Fall langweilig, aber es ist, leider Gottes, teilweise schwer verständlich, was bei einem populärwissenschaftlichen Titel fatal ist.

So kann man die vorgestellten Forschungen und Themen zwar auch als Laie und ohne Vorkenntnisse verstehen, doch erst im zweiten Anlauf. So bin ich beispielsweise kein großer Mathematikfan, habe auch keine Begabung für Mathematik und hatte dementsprechend Probleme mit jenen Kapiteln, in denen Mathematik vorkommt, was vielleicht auch an meiner Abneigung gegenüber der Mathematik liegt, aber ich fande es auch sehr schwer verständlich.

Generell wirkt das Buch teilweise sehr komplex und zu vollgepackt, sodass der Leser die eine oder andere Seite mehr als einmal lesen muss, um komplett durchzusteigen.

Jedoch hat Angier einen Extrapunkt damit verdient, dass sie sich einem großen Problem unserer modernen Gesellschaft annimmt: die Abneigung gegen die Naturwissenschaften! Ihr Ziel, nämlich Leser von den Naturwissenschaften zu überzeugen, hatte bei mir keinen Zweck, denn ich bin von den Naturwissenschaften überzeugt. Sie nicht? Dann wird es aber Zeit – lesen Sie dieses Buch!

Wir alle sind Sternenstaub

„Oft führen die unscheinbarsten Probleme auf ein viel größeres Rätsel – und manchmal liefern sie sogar den Schlüssel, um es zu lösen. Von großen Fragen, die sich in kleinen verstecken, handeln die hier versammelten Gespräche.“

Den Rätseln unserer Existenz auf der Spur!

Stefan Klein, der wohl bekannteste deutsche Wissenschaftsjournalist, begeistert ein breites Publikum von Lesern mit seinen Büchern. „Wir alle sind Sternenstaub – Gespräche mit Wissenschaftlern über die Rätsel unserer Existenz“ ist das erste, aber sicherlich nicht letzte Buch, das ich von Klein lese.

Es geht um die Schönheit von Molekülen, um Anfang und Ende der Welt, um das Gedächtnis, um den Beginn der modernen Naturforschung, um Altruismus, um moralische Vorstellungen, um die menschliche DNS, um Empathie, um Schmerz, um Mutterschaft, um das Bewusstsein, um Zufall und Notwendigkeit in der Geschichte und um Wissenschaft und Religion.

Dreizehn Gespräche über diese Themen machen Stefan Kleins Buch zu einem außergewöhnlichen Erlebnis! Forschungsergebnisse werden ebenso dargestellt, wie die persönlichsten Gedanken jener Wissenschaftler, die für einen Großteil des Wissens verantwortlich sind, das für uns selbstverständlich ist.

Aber zeigt Klein nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch die Menschen dahinter. So sind diese Persönlichkeiten vielleicht besonders intelligent und berühmt in der akademischen Welt, doch sind es auch ganz normale Menschen!

Gerade diese Tatsache, die Menschen hinter den Wissenschaftlern zu zeigen, macht dieses Buch ganz besonders und lässt das Buch so auch zu einer sehr witzigen Lektüre werden. Anregende, philosophische und wissenschaftliche Gespräche – absolute Weltklasse!

„Wissenschaft bestimmt wie nie zuvor unser Leben.“

Die Zukunftsmacher

Die achtzehn jungen Leute, die hier zu Wort kommen, erforschen verschiedene Fragestellungen und haben damit langfristige, tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Lebensweise, ja sogar auf unsere Sichtweise für uns selbst und unseren Platz im Universum. Letztlich werden sie mit ihren Gedanken dazu beitrage, dass wir neu definieren, wer und was wir sind.“
 
Max Brockmann versammelt in diesem Band achtzehn Essays über aktuelle Forschungsgegenstande jener Wissenschaftler, die den Wissenschaftsbetrieb voran bringen und zu den Koryphäen schlechthin auf ihrem Gebiet werden können.

Über astrophysikalische und kosmologische Fragen wir ebenso nachgedacht, wie über philosophische und naturwissenschaftliche. Aber auch ganz allgemein über biologische Fragen und über die Zukunft der Menschen.

Die achtzehn niedergeschriebenen Essays sind selbst für Laien verständlich und verlangen keine großen Vorkenntnisse. Des Weiteren wirken die Essays nicht wie heruntergeschrieben, sondern viel eher nachdenklich über die Zukunft der Menschen.

Diese Lektüre gibt Hoffnung für eine verständlichere und bessere Welt in Zukunft – für alle Menschen!

Freitag, 26. November 2010

Der Übergang - Hörbuch

Die Apokalypse naht!

Amy Harper Bellafonte wird von ihrer Mutter aufgegeben. Ihr Leben ist nicht leicht und sie beißt sich durch. Doch dann wird alles nur noch schlimmer: von zwei FBI-Agenten entführt, wird sie Teil des Forschungsprojekts Noah, dessen Ziel es ist, die Menschheit mit einem Virus unsterblich zu machen. Aber bei dem Experiment klappt es nicht wie geplant, das Virus bricht aus und die infizierten Menschen werden zu vampirähnlichen Blutsaugern. Die Menschen drohen auszusterben und es gibt nur eine Möglichkeit den Horror zu stoppen: Amy Harper Bellafonte, denn sie scheint immun gegenüber dem Virus zu sein...

Justin Cronin schrieb mit „Der Übergang“ für mich den besten (post-)apokalyptischen Thriller dieses Jahrzehnts! Die unheimliche Sprachgewalt, sowie die spannungsgeladenen Kapitel reißen den Leser in den Bann der Story.

Die Idee an sich, nämlich der Untergang der Menschheit, ist nichts Neues und sollte jemand fleißig in der Literaturgeschichte nach ähnlicher Thematik suchen, wird man sicherlich mehr als ein Buch finden. Aber dennoch wirkt die Story nicht wie übernommen, sondern strotzt nur so vor Orginalität und, leider, Überzeugungskraft.

Wer romantische Vampire in diesem Werk sucht, ist falsch. Bei Cronin sind Vampire brutale Killer und können ihre Instinkte – das Blutsaugen – nicht unter Kontrolle halten.

David Nathan ist ein netter Hörbuchsprecher, aber ehrlich gesagt fand ich seine Stimme ein wenig kalt und andere Sprecher wären sicherlich angebrachter gewesen. Teils wirkt er für mich sehr gelangweilt und daher ist ein absoluter Hörgenuss leider ausgeschlossen.

Insgesamt lohnt es sich aber trotzdem, das Hörbuch zu hören. Die Story lässt den Hörer auch über die teils sehr distanzierte Stimme des Sprechers hinweg sehen. Inhaltlich gesehen ist das Buch mehr als gut und ich freue mich auf die beiden nächsten Teile der Trilogie, muss mir aber noch überlegen, ob ich sie als Hörbuch höre oder als Buch lese.

Sonntag, 21. November 2010

2012 - Die Rückkehr


Das Ende der Menschheit abgewendet?

Es gibt zwei Gründe, warum ich nicht über den Inhalt sprechen will/kann. Zum einen liegt es daran, dass dieses Buch die Fortsetzung von „2012 – Schatten der Verdammnis“ ist und ich habe die Sorge, wenn ich hier etwas über den Inhalt schreibe, dass ich dann zu viel aus dem ersten Band erzähle. Und zum anderen ist dieses Buch unheimlich vielschichtig und enthält sehr viele Handlungsstränge, sodass es praktisch unmöglich ist eine klare Angabe zum Inhalt zu machen.

Was ich aber sagen kann, ist, dass das Buch eine direkte Fortsetzung des ersten Bandes ist und da weiterspielt, wo das erste Buch endet. Somit werden die Rätsel aus Band eins gelöst, doch genauso tauchen immer wieder neue Rätsel auf und der Leser kommt nicht aus den Strudel heraus, in den er im ersten Band gezogen wurde.

Jedoch hat das Buch, im Vergleich zum ersten Band, einige Schwächen: zum einen ist das Buch sehr komplex, was teilweise wirklich zu viel ist, durch die vielen Handlungsstränge und Personen verliert man leicht den Überblick und so muss zwischendurch immer wieder überlegt werden und somit wird die Lektüre unterbrochen und zum anderen gibt es immer wieder kleine Längen, in denen nichts von Spannung zu spüren gibt und sich die Lektüre somit auch zieht.

Ein weiterer kleiner negativer Punkt ist das Ende: natürlich ist es gut geschrieben und löst eine Menge Rätsel, während es genau so viele wieder aufwirft. Aber trotzdem wirkt das Ende einfach überladen und zu konstruiert.

Jedoch ist die Sprache auch in diesem Band unheimlich bildhaft und so wird dem Leser erlaubt, sich genaue Vorstellungen über die einzelnen Abläufe zu machen, was ich als sehr positiv empfinde.

Durch die vielen Rätsel freue ich mich jetzt umso mehr auf den dritten Teil der Reihe und kann es kaum abwarten, bis endlich alle Vorhänge gefallen sind und ich der Apokalypse endgültig ins Auge gesehen habe!

Das Tal - Die Katastrophe

„Wir befinden uns hier am Ausgangspunkt für die legendäre Besteigung des Ghost. Auf den ersten Blick ein Berg wie viele in den Rocky Mountains. Doch sein Name ist Programm. Er birgt ein großes Geheimnis. Denn auf dem Weg zu seinem Gipfel sind vor dreißig Jahren acht Studenten angeblich verschollen. Nur Legende oder Wahrheit? Wir brechen nun auf, das Geheimnis zu lüften. Doch was werden wir dort oben auf über dreitausend Metern finden?“

Katie hat ein großes Ziel: sie will auf den Ghost! Der Ghost steht über dem Tal, der Ghost birgt viele Geheimnisse und auf dem Ghost verschwanden einst acht Studenten spurlos. Aber alleine schafft sie es nicht, weshalb sie ihre Clique um Hilfe bittet. Doch wusste sie da nicht, auf was für eine Tour sie sich eingelassen hat. Die Tour könnte den Tod ihrer Freunde bedeuten...

Nachdem ich „Das Tal – Das Spiel“ praktisch verschlungen habe, stand außer Frage, dass ich ebenfalls die Fortsetzungen lesen werde. Auch jetzt steht es noch außer Frage, denn ich will wissen, welche Geheimnisse das Tal noch birgt.

Doch ich muss sagen, dass „Das Tal – Die Katastrophe“ für mich zu einer richtigen Qual wurde. Anfangs noch voller Begeisterung verfolgte ich die Handlung, die in diesem Buch aus Katies Sicht erzählt wird, doch lies meine Begeisterung immer mehr nach. Und das lag ganz alleine an Katie!

Während des ersten Bandes habe ich mich ein wenig in Julia verguckt. Nicht verguckt in dem Sinne von verlieben oder dergleichen, sondern eher auf literarische Weise und ich habe mich so sehr auf dieses Buch gefreut. Doch wird dieses Buch nun einmal aus Katies Sicht erzählt, und Julia kommt zwar auch vor, spielt aber nicht so eine große Rolle wie im ersten Band. Und das habe ich Katie übel genommen.

So entwickelte ich recht schnell eine kleine Antipathie gegen Katie, die im Verlauf der Story immer mehr zunahm und somit wurde das Buch zur großen Qual für mich. Ich hoffe, das ändert sich in den nächsten Büchern wieder.

Doch es gibt auch einen sehr positiven Punkt, der mich bereits bei „Das Tal – Das Spiel“ sehr begeisterte: die Geheimniskrämerei! Kuhn schreibt einen voller Mystery und Geheimnissen bepackten Jugendthriller und hält so doch ziemlich die Spannung bis zum Ende aufrecht.

Ich hoffe, dass „Das Tal – Der Sturm“ wieder besser wird und Katie nicht wieder die Story aus ihrer Sicht erzählt, denn es gibt so viele Geheimnisse im Tal, denen ich auf die Schliche kommen will, aber nicht aus Katies Sicht.

Dort oben wird jemand sterben, Katie.

Samstag, 13. November 2010

2012 - Schatten der Verdammnis

„Geheimnisse bleiben Geheimnisse, bis sich der Beobachter neuen geistigen Perspektiven öffnet. Oder, noch prhttp://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=7647538410892908095&postID=2149049014842279260ägnanter: Um eine Lösung für etwas zu finden, was man als unmöglich wahrnimmt, muss man nach unmöglichen Lösungen suchen.“

Mittlerweile ist ja bekannt, dass der Kalender der Maya mit dem Tag 4 Ahau 3 Kankin, am 21. Dezember 2012, dem Tag der Wintersonnenwende, endet. Religiöse Fanatiker sehen in diesem abrupten Ende den Untergang der menschlichen Zivilisation, aber auch die Wissenschaft fragt sich, warum der Kalender endet. Wird am 21. Dezember 2012 die Menschheit wirklich zugrunde gehen?

Der Sportmediziner Steve Alten widmet sich in seinem Buch „2012 – Schatten der Verdammnis“ dem Mayakalender und den Mythen rund um den Untergang der Menschheit und schuf einen eben so atemberaubenden wie wissenschaftlich orientierten Thriller.

Julius Gabriel ist Archäologe und hatte es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht den Mayakalender zu erforschen und reiste Jahrzehnte zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls Archäologin war, und seinem Sohn durch die gesamte Welt und kommt dabei einem uralten Rätsel auf die Spur, dessen Lösung ebenso fantastisch wie angsterregend ist.

Zwölf Jahre später: sowohl Julius als auch seine Frau sind tot und ihr Sohn Michael ist in einer psychiatrischen Klinik. Dominique Vazquez ist Doktorandin und macht ein Praktikum in der selben psychiatrischen Klinik, in der Michael ist, wie wird ihm sogar zugeteilt und soll ihn therapieren. Während ihrer Sitzung sprechen sie über die Prophezeiung der Maya und Dominique bekommt das Tagebuch von Julius, um es zu lesen. Anfangs völlig ungläubig taucht sie immer weiter in die Geschichte der Prophezeiung ein und erkennt bald, dass die Menschheit wirklich am 21. Dezember 2012 vernichtet werden wird.

Sie hilft Michael bei dem Ausbruch aus der Klinik und reist mit ihm durch die Geschichte der Menschheit um des Rätsels Lösung zu finden, denn die Lösung entscheidet über die Zukunft der Menschheit und sie haben nur noch wenige Tage bis zur Wintersonnenwende...

Ich wusste ja nicht, auf was ich mich einlasse, als ich dieses Buch begann zu lesen. Das Buch ist eine Mischung vieler verschiedener Genren, sowohl Wissenschafts-, Psycho- und Politthriller jedoch auch mit einer Spur vor Philosophie und Romantik!

In dem Buch gibt es einen ständigen Wechsel zwischen mehrerer Handlungsstränge, was mir eigentlich nicht gefällt, aber bei diesem Buch hat es mich total angesprochen, denn durch das Wechseln der Handlungsstränge und der Handlungsorte entsteht eine besondere Art von Spannung, die mich total an das Buch gefesselt hat.

Des Weiteren ist die bildhafte Sprache besonders lobenswert. Denn so kann sich der Leser während des Lesens die einzelnen Handlungsabläufe und Handlungsorte sehr gut vorstellen.

Insgesamt kann ich also sagen, dass mich dieses Buch gepackt und nicht mehr losgelassen hat – ich habe jede Seite genossen und vermisse dieses Spektrum an Genren und hoffe, dass es noch viele weitere Bücher von Steve Alten geben wird. Leseempfehlung an alle, die Thriller mögen, nichts gegen Wissenschaft haben und einfach nur lesen und genießen können und wollen!

Dienstag, 9. November 2010

Wintergeister

Trauer, bleibt sie für immer oder geht sie irgendwann?

1933, der Leser begleitet den Engländer Frederick durch die Straßen von Toulouse. Auf einer Serviette eines Cafés hatte er sich eine Wegbeschreibung zu einer kleinen Buchhandlung mit Antiquariat geschrieben und hält diese in der rechten Hand. In seiner Brusttasche befindet sich ein alter Brief, den er nie gelesen hatte, der aber trotzdem zu seinen kostbarsten Besitzen gehörte.

In der Buchhandlung sucht er den Antiquar Monsieur Saurat, den nach seinem Wissen ist Monsieur Saurat einer der wenigen Männer, die noch Okzitantisch, die alte Sprache des Südens, beherrschen. Dem Antiquar fällt sofort auf, dass Frederick im Besitz eines Dokuments von größter historischer Bedeutung hat und lässt sich also die Geschichte des Fundes erzählen.

Auch die Geschichte des Fundes verfolgt der Leser. Es ist eine Geschichte voller Trauer und Zukunftslosigkeit. Frederick erzählt, dass er, nach dem Tod seines über allen geliebten Bruders, in die Nervenheilanstalt kam und man ihm dort rat, in die Berge zu gehen, um wieder zu genesen. Also macht er sich voller Trauer auf den Weg in die französischen Berge. Frederick, der keine Lust mehr auf sein Leben hat, es aber nicht schafft sich umzubringen, findet dort in den Bergen aber einen Grund weiterzuleben: die wunderschöne Fabrissa, die ebenfalls eine Geschichte voller Trauer zu erzählen hat. Gemeinsam verbringen sie eine Nacht, in denen sie sich ihre Geschichte erzählen, doch am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden und er findet nur den mysteriösen Brief vor...

Es hört sich nach einer langweiligen Geschichte an, oder? Anfangs dachte ich das auch, aber nach und nach hat mich die Geschichte vollkommen gefangen genommen und mich nicht mehr losgelassen. Das kleine Buch mit lediglich 220 Seiten, las ich innerhalb zwei Stunden und bereue, dass ich mir nicht mehr Zeit genommen habe.

Die Geschichte zweier Menschen, die ihr Leben in Trauer verbracht haben, haben mich begeistert und zu Tränen gerührt. Mosse vermag es, nur durch ihre Worte dem Leser Emotionen zu vermitteln und ihnen zu Tränen zu rühren. Doch genauso kann sie Personen kalt herüber kommen lassen. Ein unglaubliches Talent – man fühlt die Personen!

Auch wenn die Geschichte nicht spannend zu sein scheint, kann ich sagen: sie ist spannend! Frederick, der von der Frage, ob Trauer jemals vorbei geht, getrieben wird, erzählt eine spannende Geschichte voller Liebe und reißt den Leser in seinen Bann. Ja, der Leser wird selbst von der Frage angetrieben, ob Trauer jemals vorbei geht.

Mosse, die mit ihren Büchern „Das verlorene Labyrinth“ und „Die achte Karte“ weltweit erfolgreich und bekannt wurde, schreibt einen zutiefst berührenden Roman. Einer der besten Roman dieses Jahres!

Ja, Trauer geht irgendwann vorbei, aber die Erinnerung daran bleibt. Für immer!