Dienstag, 9. November 2010

Wintergeister

Trauer, bleibt sie für immer oder geht sie irgendwann?

1933, der Leser begleitet den Engländer Frederick durch die Straßen von Toulouse. Auf einer Serviette eines Cafés hatte er sich eine Wegbeschreibung zu einer kleinen Buchhandlung mit Antiquariat geschrieben und hält diese in der rechten Hand. In seiner Brusttasche befindet sich ein alter Brief, den er nie gelesen hatte, der aber trotzdem zu seinen kostbarsten Besitzen gehörte.

In der Buchhandlung sucht er den Antiquar Monsieur Saurat, den nach seinem Wissen ist Monsieur Saurat einer der wenigen Männer, die noch Okzitantisch, die alte Sprache des Südens, beherrschen. Dem Antiquar fällt sofort auf, dass Frederick im Besitz eines Dokuments von größter historischer Bedeutung hat und lässt sich also die Geschichte des Fundes erzählen.

Auch die Geschichte des Fundes verfolgt der Leser. Es ist eine Geschichte voller Trauer und Zukunftslosigkeit. Frederick erzählt, dass er, nach dem Tod seines über allen geliebten Bruders, in die Nervenheilanstalt kam und man ihm dort rat, in die Berge zu gehen, um wieder zu genesen. Also macht er sich voller Trauer auf den Weg in die französischen Berge. Frederick, der keine Lust mehr auf sein Leben hat, es aber nicht schafft sich umzubringen, findet dort in den Bergen aber einen Grund weiterzuleben: die wunderschöne Fabrissa, die ebenfalls eine Geschichte voller Trauer zu erzählen hat. Gemeinsam verbringen sie eine Nacht, in denen sie sich ihre Geschichte erzählen, doch am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden und er findet nur den mysteriösen Brief vor...

Es hört sich nach einer langweiligen Geschichte an, oder? Anfangs dachte ich das auch, aber nach und nach hat mich die Geschichte vollkommen gefangen genommen und mich nicht mehr losgelassen. Das kleine Buch mit lediglich 220 Seiten, las ich innerhalb zwei Stunden und bereue, dass ich mir nicht mehr Zeit genommen habe.

Die Geschichte zweier Menschen, die ihr Leben in Trauer verbracht haben, haben mich begeistert und zu Tränen gerührt. Mosse vermag es, nur durch ihre Worte dem Leser Emotionen zu vermitteln und ihnen zu Tränen zu rühren. Doch genauso kann sie Personen kalt herüber kommen lassen. Ein unglaubliches Talent – man fühlt die Personen!

Auch wenn die Geschichte nicht spannend zu sein scheint, kann ich sagen: sie ist spannend! Frederick, der von der Frage, ob Trauer jemals vorbei geht, getrieben wird, erzählt eine spannende Geschichte voller Liebe und reißt den Leser in seinen Bann. Ja, der Leser wird selbst von der Frage angetrieben, ob Trauer jemals vorbei geht.

Mosse, die mit ihren Büchern „Das verlorene Labyrinth“ und „Die achte Karte“ weltweit erfolgreich und bekannt wurde, schreibt einen zutiefst berührenden Roman. Einer der besten Roman dieses Jahres!

Ja, Trauer geht irgendwann vorbei, aber die Erinnerung daran bleibt. Für immer!

Kommentare:

  1. Ich habe von Kate Mosse "Die achte Karte" im Regal und vor ca. 1 Jahr gelesen. Der Schreibstil ist vielleicht nicht wer weiß wie aufregend, aber trotzdem baut sich spannung auf.

    Die Rezi von dir gefällt mir sehr gut.

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  2. @Claudia Marina: Vielen Dank! ;)

    @Jana: Vielen Dank! ;) "Die achte Karte" habe ich nicht gelesen und auch nicht vor, da mich der Inhalt weniger anspricht... Hier ist der Schreibstil auf jeden Fall sehr gut.

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  3. Ah ich freu mich. Werde das Buch auch bald lesen können :)

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  4. Die Rezension hört sich interessant an. Aber 18 Euro finde ich für 220 Seiten ein bisschen happig. Hm =(

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  5. @Jana: Ganz viel Spaß dabei! :)

    @Tanja: Ja, 18€ sind echt 'ne Menge, aber es lohnt sich. Und es wird bestimmt noch ein Taschenbuch geben...

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